10.07.2019 - Besenreiser & Krampfadern

Besenreiser - Krampfadern

Besenreiser - Krampfadern

Experte der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik gibt Tipps und Tricks gegen blaue Beulen auf der Haut

 

Mit kurzen Röcken, knappen Shorts oder trendigen Jumpsuits betonen viele Frauen gerne ihre Beine. Es wird rasiert, gebräunt und gecremt, was das Zeug hält. Nur ärgerlich, wenn dieses „Kunstwerk“ durch Besenreiser oder Krampfadern entstellt wird. Wo vorher schöne, glatte Haut an den Beinen war, zeigt sich plötzlich ein feines Geäst blau-roter Blutgefäße, dicke, blaue Adern von der Kniekehle bis zur Wade oder kleine Knötchen. Die Veranlagung dazu scheint vererbt zu werden. Ein Experte der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik weiß Rat.

Sonne satt und mediterrane Temperaturen - Deutschland erlebt gerade einen Jahrhundertsommer. Doch die Wärme hat auch ihre Schattenseiten. Blutgefäße dehnen sich aus und können zu geschwollen und schmerzenden Beinen führen. Wer bereits an Bindegewebs- oder Venenschwäche leidet, bei dem können sich Besenreiser oder Krampfadern bilden.
Besenreiser haben bereits 60 Prozent aller 20- bis 29-jährigen Frauen und Männer. Das sind kleine in der Haut gelegene Äderchen, die violett oder blau durch die Haut schimmern. Sie treten überwiegend im Bereich der Kniekehle und Wade auf, hängen aber nicht unbedingt mit einer Krampfader zusammen. Meist handelt es sich dabei aber allein um ein Beauty Problem – nur bei rund fünf Prozent steckt ein ernsteres Venenleiden dahinter.

 

Die Muskelpumpe macht schlaff
Für das Venenleiden liegt meist eine erbliche Veranlagung vor. Mit zunehmendem Alter steigt generell die Wahrscheinlichkeit, dass sich Besenreiser oder Krampfadern bilden. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Stehberufe oder eine Schwangerschaft. „Normalerweise fließt das Blut aus den oberflächlichen Venen in die tiefer gelegenen Gefäße und dann, entgegen der Schwerkraft, zurück zum Herzen. Dabei verhindern die Venenklappen im Normalfall einen Rückfluss des Bluts. Schließen die Klappen nicht korrekt, staut sich das Blut in den Beinen, tritt nach außen, dehnt die Gefäße – und lässt Krampfadern entstehen“, erklärt Dr. Simon Classen, Direktor des Harvey Gefäßzentrums der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Während Besenreiser meist harmlos und eher ein kosmetisches Problem sind, können Krampfadern schon gefährlich werden. 

 

Was sind Krampfadern?
Krampfadern sind meistens familiär angelegt und treten bei Frauen viel häufiger als bei Männern auf. Insbesondere im Rahmen der Schwangerschaft können werdende Mütter aufgrund des Geschlechtshormons Östrogen, das das Bindegewebe weicher macht, plötzlich blaue, knotige Schlängelungen oder Knäuel von Hautvenen an den Beinen entdecken. Weitere typische Symptome sind z.B. schwere müde Beine, Spannungsgefühle in den Beinen, geschwollene Knöchel und Füße, Wärmegefühl und Jucken in den Beinen.
„Krampfadern sind nicht nur Knötchen. Die Belastung des Gewebes durch einen Knoten und durch Flüssigkeiten kann dazu führen, dass es zu Verhärtungen, braunen Flecken oder Entzündungen kommt. Mit der Zeit kann sich eine offene Wunde entwickeln, die nur durch Hauttransplantationen geheilt werden kann. Im schlimmsten Fall entstehen Thrombosen“, erklärt Dr. Classen. „Bei familiären Vorbelastungen sollte unbedingt ein Experte, ein so genannter Phlebologe, darauf schauen, um rechtzeitig – ohne Komplikationen – das Thema zu behandeln“, empfiehlt der stellvertretende Ärztliche Direktor der Kerckhoff-Klinik.

 

Vorbeugen mit Sport und Wechselduschen
Wichtig ist Bewegung wie Radfahren, Wandern, Walken oder Schwimmen, um die Venenmuskelpumpe anzuregen, die für den Bluttransport verantwortlich ist. Aber Sport wirkt nur präventiv, bestehende Besenreiser sind so leider nicht wieder wegzubekommen. „Wer öfter geschwollene Beine hat, sollte sich regelmäßig kalte Wassergüsse und Wechselduschen entlang der Waden, Knöchel und Füße gönnen, z.B. im Kneipp-Becken im Bad Nauheimer Gesundheitspark. Diese sogenannte Hydrotherapie erfrischt, regt den Blutfluss an und kühlt den gesamten Körper auf eine angenehme Temperatur – perfekt nach langen warmen oder heißen Tagen, an denen mal viel gestanden oder gesessen hat“, erläutert Dr. Classen. Wer im Büro arbeitet und viel sitzen muss, kann mit einigen kleinen Übungen seine Venenpumpe aktivieren. Dafür beispielsweise regelmäßig die Zehen auf und ab bewegen oder sie zu Krallen formen.

 

Kompressionsstrümpfe
Bei langen Auto- oder Flugreisen sind Kompressionsstrümpfe ratsam, die es mittlerweile auch in modernen Farben und Ausführungen gibt. Denn wird von außen Druck auf die Vene ausgeübt, hält die Venenwand dem Innendruck leichter stand und die Venenklappen schließen wieder, was die Entstehung weiterer Aussackungen verhindert. Darüber hinaus fördern Kompressionsstrümpfe den Rückfluss des Blutes zum Herzen und senken so das Thromboserisiko.

 

So werden Besenreiser und Krampfadern entfernt

Verödung

Die gängigste und einfachste Methode, um Besenreiser zu entfernen, ist die Verödung (Mikrosklerotherapie). Zu einer Operation bei einem Venenleiden raten die Gefäßchirurgen der Kerckhoff-Klinik dann, wenn große oberflächliche Venen oder deren Seitenäste zu Krampfadern erweitert sind oder sich ein offenes Bein zu entwickeln droht. Ziel des Eingriffs ist immer, den krankhaften Rückfluss des Blutes durch die erweiterte Vene ins Bein zu stoppen und damit die Ursache von Schwellungen, Schweregefühl, Stauungsbeschwerden und Schmerzen auszuschalten.

Stripping

Das gebräuchlichste Verfahren ist das Stripping: Über einen kleinen Schnitt in der Leiste führt der Chirurg eine Sonde in das Blutgefäß ein. Darüber wird die erkrankte Stammvene mitsamt ihren Seitenästen in einem Stück aus dem Bein herausgezogen. Nicht immer wird die komplette Vene entfernt. Häufig ziehen Gefäßchirurgen mit speziellen Häkchen nur die kranken Abschnitte der Vene und ihre Seitenäste und belassen die gesunden Teile im Körper (Ministripping, Häkeltechnik).

Radiowellentherapie

Bei der Radiowellentherapie wird eine Sonde unter Ultraschallkontrolle vom Unterschenkel aus in die große oberflächliche Sammelvene eingeführt und bis zur defekten Schleusenklappe an der Hauptvene vorgeschoben. Dort werden die Radiowellen aktiviert und der Katheter langsam
zurückgezogen. Dabei werden die Hauptvene und die einmündenden Verbindungsvenen bei einer Temperatur von 80 bis 90 Grad von innen "geschmolzen" und so verschlossen. Die kranke Hauptvene wird also nicht entfernt, sondern von innen zerstört. Blutergüsse und Nervenschäden bleiben aus. Nach und nach baut der Körper die verklebten Reste der Venen aus eigenen Kräften ab.

Schaumverödung 

Eine weitere Alternative bei der Behandlung kleiner Krampfadern ist die Schaumverödung (Skelorisierung). Dabei spritzt der Phlebologe einen Verödungsschaum direkt in die Krampfader. Der Schaum enthält Substanzen, die im Gefäß eine Entzündung auslösen und so die Vene verschließen. Im Laufe der Zeit soll sie sich auflösen.

 

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