HERZSCHRITTMACHER & DEFIBRILLATORTHERAPIE

Information Patienten

Wir heißen Sie herzlichst in unserer Herzschrittmacher- und Defibrillatorambulanz willkommen.

Ihr Besuch bei uns erfolgt in der Regel nach vorheriger Terminvereinbarung (telefonische Terminvereinbarung Sekretariat EPU 06032-9962374, Fax: 06032-9962236). Für Patienten gesetzlicher Krankenkassen ist es erforderlich, dass Sie zu Ihrem Termin einen aktuellen Überweisungsschein vom internistischen Facharzt (fachärztlich tätig) oder Kardiologen mitbringen sowie die Mitgliedskarte Ihrer Krankenversicherung. Bei Patienten privater Kassen erfolgt die Terminvergabe nach Anmeldung durch den zuweisenden Arzt oder nach persönlicher Terminvereinbarung.
Wir sind um einen reibungslosen Ablauf in unserer Ambulanz sehr bemüht, um Ihnen lange Wartezeiten möglichst zu ersparen, bitten jedoch um Ihr Verständnis wenn Notfälle oder sehr dringende Untersuchungen zu Wartezeiten führen.  Auch die individuelle Beratung eines Patienten kann in einigen Fällen mehr Zeit in Anspruch nehmen, als wir im Vorwege eingeplant haben, so dass leider Wartezeiten entstehen. Sollten Sie einen Termin nicht wahrnehmen können oder sollte es sich eine Terminänderung ergeben bitten, wir Sie sich bei rechtzeitig mit unserem Sekretariat in Verbindung zu setzen.

Telefon: + 9 60 32. 9 96 23 74,

Mo. - Fr. von 13:00 - 15:30 Uhr.

Information Ärzte

Anmeldung zur Schrittmacher-, Defi- oder CRT-Implantation (Patientenanmeldung)
In Zusammenarbeit mit unserer Abteilung für Elektrochirurgie erfolgt in unserer Klinik neben der Implantation von Herzschrittmachern (Einkammer-, Zweikammersysteme und „Leadless-Pacemakern“) und  Defibrillatoren u.a. auch die Versorgung mit CRT-, CCM-Systemen und Eventrecordern. Zusätzlich besteht auch eine ausgezeichnete Expertise bei der Entfernung von z.B. Defekten Sonden, Implantaten mittels Extraktionschirurgie (Läser, Fräse). Wenn Sie uns einen Patienten zur Implantation eines elektronischen Devices vorstellen möchten bitten wir Sie freundlichst um eine Kontaktaufnahme mit unserem Sekretariat. Sie helfen uns sehr unsere Organisation zu verbessern wenn Sie uns aktuelle Arztbriefe und relevante Untersuchungsbefunde per Fax oder Email zukommen lassen.

Fax: + 49 6032. 9 96 22 36

E-Mail: epu(at)kerckhoff-klinik.de.

Gerne können Sie auf diesem Weg auch bei offenen Fragen Kontakt mit uns aufnehmen. Wir werden uns dann mit Ihnen in Verbindung setzen.

 

Fragen zu Indikationsstellungen, Problemen mit elektronischen Devices
Bei Fragen zur Indikationsstellung, Problemen mit Herzschrittmachern und anderen Systemen schätzen wir den persönlichen Austausch mit Ihnen. Sollten Sie Anmerkungen oder Rückfragen haben, nehmen Sie Kontakt mit unserem Sekretariat auf. Die ärztlichen Mitarbeiter unserer Abteilung bemühen sich um eine baldige Rückmeldung. Möchten Sie gerne einen Patienten bei bestehender Indikation zur Implantation eines Herzschrittmachers, ICD oder CRT anmelden, bitten wir Sie freundlichst um eine Kontaktaufnahme mit unserem Sekretariat. Bitte fügen Sie dem Anmeldeformular relevante Befundberichte, EKG´s oder Arztberichte an.
Kontaktdaten:
Herzschrittmacher & Defibrillatorambulanz
Kerckhoff Klinik GmbH
Tel.: + 49 60 32. 9 96 23 74
Fax: + 49 60 32. 9 96 22 36
Email: epu(at)kerckhoff-klinik.de

Kontakt

Herzzentrum
Kerckhoff Klinik GmbH
Abteilung Kardiologie
Herzschrittmacher- und Defibrillatorambulanz

Leitung:

PD. Dr. med. J. Sperzel

Benekestraße 2-8
61231 Bad Nauheim
Tel.: + 49 60 32. 9 96 23 74
Fax: + 49 60 32. 9 96 32 36

Liebe Patientin, lieber Patient, sehr geehrte Gäste.

Herzschrittmacher, Defibrillatoren, sowie spezielle Herz-Synchronisationssysteme (CRT) sind heute feste Bestandteile in der Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen. Der elektrophysiologischen Device-Abteilung unter der Leitung von Herrn PD Dr. med. J. Sperzel obliegt die Indikationsstellung, die Beratung und die Auswahl des passenden Herzschrittmacher- bzw. Defibrillatorsystems für die uns anvertrauten Patienten.

Ein wesentlicher Teil unserer Tätigkeit liegt in der Nachsorge unserer Patienten in unserer Herzschrittmacher- und Defibrillatorambulanz (ca. 8000 Patienten/Jahr). Die Implantationen, bis hin zu komplexen Revisionseingriffen, erfolgen in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den Kollegen der Elektrochirurgie (ca. 1500 Implantationen, Revisionen/Jahr). Damit gehört unsere Abteilung deutschlandweit mit zu den größten ihrer Art und es ist möglich das gesamte Spektrum der Herzschrittmacher und Defibrillatortherapie abzubilden. Wir profitieren von unserer langjährigen Erfahrung und geben diese als Ausbildungszentrum in regelmäßigen Fortbildungen an Mitarbeiter und ärztliche Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet weiter. Gerne möchten wir Ihnen unsere Arbeit näherbringen und Ihnen Informationen über Herzschrittmacher und Defibrillatoren zur Verfügung stellen.

Wir freuen uns über Ihren Besuch auf unserer Homepage und stehen Ihnen für Rückfragen gerne zur Verfügung.

PD Dr. med. J. Sperzel,
leitender Oberarzt
Elektrophysiologie & Herzschrittmacherambulanz

Notfälle

Der diensthabende Arzt der Abt. f. Kardiologie ist zu erreichen unter

Telefon: + 49 60 32. 9 96 0 (Zentrale der Klinik)

Defiambulanz

Notfälle werden nach vorheriger telefonischer Anmeldung durch niedergelassene Allgemein- und Fachärzte sowie Kliniken behandelt.

Anmeldungen für die Defibrillator-Ambulanz

Tel.: + 49 60 32. 9 96 23 69 oder - 23 74

Fax: + 49 60 32. 9 96 32 36

Herzschrittmacherambulanz

Notfälle werden nach vorheriger telefonischer Anmeldung durch niedergelassene Allgemein- und Fachärzte sowie Kliniken behandelt.

Anmeldung für die Herzschrittmacherambulanz:

Tel.:  +49 60 32. 9 96 23 69 o. 23 74
Fax:  +49 60 32. 9 96 32 36


Mitarbeiter

PD Dr. med. J. Sperzel

Ärztliche Mitarbeiter

  • OA Dr. med. A. Hain
  • Dr. med. M. Jung
  • Dr. med. S. Rossée

Med.-Technisches Fachpersonal

  • Frau J. Schmitt
  • Frau S. Wendel
  • Frau S. Buss

Ansprechpartner im Sekretariat

Frau A. Reinhard
Frau A. Schneider
Frau B. Janzen
Frau M. Rau

Herzschrittmacher: Systeme & Implantationen

Einleitung

Abb.1: Schrittmacher
Copyright SJM/Abbott
Abb.2: Aufbau eines Schrittmachers
Abb.3: Schrittmachersonden
Copyright SJM/Abbott
Abb.4: Schema eines Herzschrittmachers mit Sonden
Implantation eines Schrittmachers
Copyright SJM/Abbott
Implantation einer Schrittmachersonde(Video)
Copyright Medtronic

Ein Herzschrittmacher (Abb.1)  ist im Wesentlichen als elektrischer Impulsgeber für das Herz zu verstehen. Er wird bei Herzrhythmusstörungen implantiert, die mit einem langsamem Pulsschlag oder auch Pausen des Pulses einhergehen. Die Entstehung solcher Herzrhythmusstörungen ist bedingt durch Störungen der Reizbildung und/ oder Reizweiterleitung des sogenannten Reizleitungssystems am Herzen. Dieses besteht im Wesentlichen aus dem Sinusknoten als natürlicher Taktgeber des gesunden Menschen im rechten Vorhof, dem AV-Knoten als Schnittstelle zwischen Herzvorhöfen und Herzkammern und dem Reizleitungssystem der Herzkammern. Infolge eines langsamen Pulses (Bradykardie) kann es zu Symptomen wie Schwindelgefühl, Luftnot oder sogar einer Ohnmacht (Synkope) kommen. Um diese Symptome zu verhindern, überwacht ein Herzschrittmacher Ihren Herzrhythmus und gibt beim  Ausbleiben herzeigener Impulse elektrische Stimulationsimpulse ab. Durch eine individuelle, an Sie angepasste Programmierung des Schrittmachers ist eine bestmögliche Anpassung an jede Lebenssituation und Ihre Bedürfnisse möglich. Zu unseren Patienten gehören gleichermaßen junge wie betagte Menschen, aktive und weniger aktive Menschen. Aber auch Leistungssportler zählen wir zu unseren Patienten, denen wir durch eine individuelle Auswahl des passenden Herzschrittmachers und eine entsprechende Programmierung ein normales Sportlerleben ermöglichen können (Film 2-kammer-HSM Stimulation).
Das Aggregat eines  Herzschrittmachers ist heutzutage nicht viel größer als eine Streichholzschachtel (Abb. 2). Das Gehäuse besteht vorzugsweise aus Titan und ist hermetisch verschlossen. Es beinhaltet eine Batterie sowie einen Microcomputer, welcher die gesamte Funktion des Schrittmachers kontrolliert.  Über Schrittmachersonden (Abb. 3) wird das Schrittmacheraggregat mit dem Herzen verbunden (Abb. 4). Diese müssen sich v.a. durch eine lang anhaltende Stabilität, gute elektrische Leitfähigkeit und eine flexible Handhabung auszeichnen. Je nach Herzrhythmusstörung müssen ein-, zwei- oder in speziellen Fällen auch drei Sonden implantiert werden. Bei der Beschreibung unterscheidet man bei Herzschrittmachern im Wesentlichen Vorhof-, Kammerschrittmacher. Von einem sogenannten Zweikammerschrittmacher spricht man, wenn sowohl eine Elektrode in den rechten Vorhof als auch in die rechte Herzkammer implantiert wurde.
Die Implantation eines Herzschrittmachers und der Schrittmachersonden erfolgt durch eine Operation. Hierfür stehen in der Kerckhoff-Klinik modernste OP-Säle zur Verfügung und es  besteht eine kooperative Zusammenarbeit mit unserer Abteilung für Elektrochirurgie um die höchste Patientensicherheit zu gewährleisten. In der Regel erfolgt der Eingriff in Lokalanästhesie. Eine Vollnarkose ist nur in Einzelfällen (Risikopatienten) notwendig. Vor einer Operation haben Sie in einem persönlichen Aufklärungsgespräch mit einem Arzt ausreichend Zeit, Ihre Fragen zu stellen. Der Zugang und die Implantation des Herzschrittmachers erfolgt in der Regel über einen ca. 3-4 cm großen Hautschnitt unterhalb des Schlüsselbeins. In der Regel wird der Herzschrittmacher auf die rechte Seite implantiert. Nach individueller Beratung ist jedoch auch die Implantation auf der linken Seite möglich. Die Sondenplatzierung erfolgt über den gleichen Hautschnitt. In der Regel wird eine Schrittmachersonde über eine herznahe Vene unterhalb des Schlüsselbeins im rechten Herz platziert (Rechte Kammer und/ oder rechter Vorhof; Film Implantation einer Schrittmachersonde). Sollte dies aus verschiedenen Gründen nicht möglich sein, kann in den seltensten Fällen in einer Operation eine Schrittmachersonde von außen auf den Herzmuskel genäht werden. Nach korrekter Platzierung der Sonden und des Herzschrittmacheraggregat erfolgt der Wundverschluss mit dem Ziel eine möglichst kleine und kosmetisch unauffällige Narbe zu hinterlassen.

 

 

Schrittmacher ohne Sonden, gibt es das?

Ja! Heutzutage stehen auch Herzschrittmacher für bestimmte Herzrhythmusstörungen zur Verfügung, welche keine Schrittmachersonden benötigen. Ein sogenannter kabelloser Schrittmacher („leadless-Pacemaker“) wird durch einen Katheter in der Regel über die Oberschenkelvene direkt in die rechte Herzspitze implantiert (Abb. 7 Schema Implantation „leadless Pacemaker“). Entsprechend funktioniert er als sogenannter Einkammerschrittmacher (Abb. 5 und 6).  Das Gehäuse funktioniert dann gleichermaßen als Schrittmacher (mit Batterie und Microcomputer) und Sonde ohne zusätzliche Schrittmacherelektroden. Auch eine Operation ist für die Implantation nicht notwendig, so dass keine kosmetisch störende Narbe entsteht.

Abb.7: Schema Implantation "leadless Pacemaker"
SJM/Abbott
Abb.5: Schrittmacher ohne Sonde (Fa. Abbott)
Copyright SJM/Abbott
Abb.6: Schrittmacher ohne Sonde (Fa. Boston)
Copyright Fa. Boston

Plötzliche Ohnmacht - ohne eindeutige Ursache?

Ursachen einer plötzlichen Bewusstlosigkeit (Synkope) sind vielfältig, weshalb auch Ihre Behandlung oft schwierig ist. Als Ursache für eine plötzliche Ohnmacht kommen auch wiederkehrend langsame Herzrhythmusstörungen in Frage. Die Erfassung solcher langsamen Herzrhythmusstörung ist nicht immer einfach, da im Falle einer plötzlichen und unvorhersehbaren Ohnmacht nicht immer ein EKG zur Verfügung steht. Bei richtiger Indikationsstellung bietet ein sogenannter Eventrecorder (Abb. 8) die Möglichkeit einer Überwachung des Herzrhythmus rund um die Uhr. Ein Eventrecorder ist in etwa so groß wie ein kleiner, flacher USB-Stick und wird im Bereich der Brust (herznah) unter die Haut implantiert (Abb. 8a). Nach Implantation besteht zu jeder Zeit die Möglichkeit durch eine kabellose Abfrage eine Analyse des Herzrhythmus durchzuführen. Sollte es also zu einer erneuten Ohnmacht kommen, kann genauestens geprüft werden ob eine langsame Herzrhythmusstörung verantwortlich ist bevor eine Herzschrittmacherimplantation erfolgt. Wird der Eventrecorder nicht mehr benötigt kann dieser problemlos wieder explantiert werden (Abb.9).

Abb.8: Größe eines Eventrecorders
Copyright Medtronic
Abb. 8a: Eventrecorder
Copyright Medtronic
Abb.9: Eventrecorder der Fa. Abbott (ehemals St. Jude)
Copyright SJM/Abbott

Dem Gehirn etwas „vorgaukeln“ um einen schwer einstellbaren Bluthochdruck zu therapieren

PD Dr. J. Sperzel und Patient O. Klein während der Kontrolle des Karotisschrittmachers

In Deutschland leiden rund 20 Millionen Menschen unter Bluthochdruck und jeder dritte Patient gilt als schwer einstellbar. Eine nicht ausreichende Einstellung des Bluthochdrucks erhöht aber das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. In einigen Fällen ist ein Bluthochdruck durch Medikamente nicht ausreichend einstellbar und gilt als therapieresistent. Mit Hilfe eines speziellen Schrittmachers steht in der Kerckhoff-Klinik ein neues Therapieverfahren zur Behandlung von schwer einstellbarem Bluthochdruck zur Verfügung. Bei der Methode wird den Patienten ein sogenannter Karotisschrittmacher an der Halsschlagader aufgenäht. Dort sitzen Reflexpunkte, die sogenannten Barorezeptoren. Der Schrittmacher sendet elektrische Signale an die Barorezeptoren. Die leiten das Signal an das Gehirn weiter. Dort gaukeln sie ihm einen dauerhaft viel zu hohen Blutdruck vor. Etwas vereinfacht erklärt, reagiert das Gehirn auf diese Impulse und löst körpereigene Mechanismen zur Blutdrucksenkung aus. Im Idealfall reguliert sich der Blutdruck wieder im normalen Bereich ein und der Patient kann die Einnahme der Medikamente reduzieren. Langzeitergebnisse zeigen eine erfolgreiche Blutdruckeinstellung bei Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck. Viele Patienten konnten in Folge die Zahl der benötigten Medikamente reduzieren.

ICD als Lebensretter bei gefährlichen Herzrhythmusstörungen

ICD als Lebensretter

Abb. 10 EKG mit einer lebensgefährlichen Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern)
Abb. 11 Implantierbarer Cardioverter Defibrillator
Copyright Biotronik

Verschiedene Herzerkrankungen wie  ein Herzinfarkt bei koronarer Herzerkrankung (KHK), eine chronische Herzschwäche infolge einer Herzmuskelentzündung oder einer genetische Herzmuskelerkrankung (dilatative Kardiomyopathie) können zu einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztodes (SCD = „sudden cardiac death“)  infolge lebensgefährlicher Herzrhythmusstörungen (Abb. 10 Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) mit ICD-Schockabgabe) führen. Ist das Risiko für einen plötzlichen Herztod infolge einer Herzerkrankung  als erhöht einzustufen, so können Medikamente alleine oft keinen ausreichenden Schutz bieten. In solchen Fällen bietet ein Interner Cardioverter Defibrillator (ICD) einen effektiven Schutz bei Kammerflimmern und somit bei der Verhinderung eines plötzlichen Herztodes (Abb. 11). Kammerflimmern ist eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung und geht mit einem Herzstillstand einher. Ein ICD erkennt das gefährliche Kammerflimmern und durch eine sofortige Therapie wird die gefährliche Herzrhythmusstörung mit hoher Sicherheit beendet, so dass wieder eine normale Herztätigkeit einsetzen kann. Die Behandlung durch einen ICD erfolgt nicht nur in Form einer Schockabgabe sondern auch als gezielte Überstimulation. Beide Verfahren sind hocheffektiv und bieten den Patienten ein hohes Maß an Sicherheit.
Die Implantation eines Defibrillators erfolgt in unserer Abteilung sowohl als alleiniger ICD (Einkammersystem) als auch als ICD mit Schrittmacherfunktion (Zweikammersystem). Aufbau, Größe sowie die Implantation eines ICD sind im Wesentlichen vergleichbar mit einem Herzschrittmacher. In der Regel erfolgt eine ICD-Implantation durch eine Operation über einen Hautschnitt von ca. 4-5 cm  unterhalb des linken Schlüsselbeins. Genau wie bei einem Herzschrittmacher müssen durch den Operateur eine, zwei oder in ausgewählten Fällen auch drei Elektroden an die Herzinnenwand im rechten Vorhof und der rechten Kammer gelegt werden.

Lebensretter ICD - Animationen

ATP Therapie
Funktion des Defibrillators
Wie funktioniert ein implantierbarer Schrittmacher?
Copyright Medtronic GmbH

Vorübergehender Schutz

Auch vorübergehend können wir Ihnen einen Schutz bieten!

Je nach Erkrankung und der damit verbundenen Risikoeinschätzung für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen erhalten die Patienten in unserer Klinik einen implantierbaren Cardioverter-Defibrillator. Sollte nur vorübergehend ein erhöhtes Risiko für Kammerflimmern oder eine Kammertachykardie bestehen erfolgt in der Kerckhoff-Klinik der Einsatz einer sogenannten Defibrillator-Weste (Abb. 12). Hierbei handelt es sich um eine nicht-invasive, tragbare Einheit bestehend aus einem Monitor und einer Weste (Abb. 13). Diese kann komfortabel und kaum sichtbar unter der Kleidung auf der Haut getragen werden. Wird eine lebensbedrohliche Arrhythmie erkannt, so gibt das Gerät einen Behandlungsschock ab, damit der normale Herzrhythmus wieder einsetzt. Eine rechtzeitige Defibrillation ist der wichtigste Einzelfaktor bei der Rettung des Lebens eines Patienten mit plötzlichem Herzstillstand. Wir setzen die Defibrillator-Weste sowohl als Therapiebegleitung bis zur Wiedergenesung eines Patienten ein („bridge to recovery“) als auch als vorübergehender Schutz bis zur endgültigen Implantation eines ICD´s.

Abb. 12 Defibrillatorweste der Fa. Zoll
Copyright Fa. Zoll
Abb. 13 Defibrillatorweste der Fa. Zoll
Copyright Fa. Zoll

ICD als Lebensretter

Allgemeines, Alarmierung, Entfernung

Mein Defibrillator-/ Herzschrittmacher hat alarmiert wie soll ich mich verhalten?

Sollte Ihr Herzschrittmacher oder Defibrillator ein Signal abgegeben haben muss Sie dies grundsätzlich nicht beunruhigen. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten warum z.B. ein Defibrillator eine Alarmierung abgibt. Dies kann je nach Hersteller und Aggregat ein Signalton oder ein Vibrationsalarm sein. Sollten Sie sich unsicher sein, wie sich eine Alarmierung anhört bzw. anfühlt, sprechen Sie uns während Ihres Termins in unserer Ambulanz an. In der Regel ist es möglich Ihnen die Alarmierung Ihres Gerätes zu demonstrieren, damit Sie sich für die Zukunft sicherer fühlen. Sollte Ihr Herzschrittmacher oder Defibrillator im privaten Umfeld einen Alarm abgegeben haben und Sie fühlen sich sonst wohl und beschwerdefrei, so ist es in der Regel ausreichend, wenn Sie sich telefonisch mit uns oder Ihrem behandelnden Kardiologen in Verbindung setzen. Wir werden dann einen kurzfristigen Termin zur Kontrolle Ihres Gerätes mit Ihnen vereinbaren. Sollten Sie sich unsicher sein oder zusätzlich Beschwerden wie z.B. Luftnot bestehen, ist es jederzeit möglich telefonischen Kontakt mit unserer Klinik aufzunehmen. Sie erreichen uns unter der Telefonnummer 06032-9960. Im Notfall verständigen Sie bitte den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112.

Allgemeine Informationen für Herzschrittmacher- und Defibrillatorpatienten

im täglichen Umgang mit elektronischen Devices


Wir bekommen häufig Fragen im Umgang mit Herzschrittmacher und Defibrillatoren gestellt, die Ihr allgemeines und tägliches  Leben betreffen und auf die wir hier näher eingehen möchten. Bitte berücksichtigen Sie das es sich hierbei um allgemeine Informationen handelt und nicht um Herstellerangaben oder medizinische Information für den Einzelnen. Bei speziellen Fragestellungen (z.B. Eignung zur Führung eines KFZ oder Fahreignung für Berufskraftfahrer) verweisen wir auf ein persönliches Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt.
Wenn wir in unserer täglichen Arbeit von elektronischen devices sprechen, meinen wir damit Herzschrittmacher- und Defibrillatorsysteme im Allgemeinen (engl. device = Gerät, Apparat). Historisch betrachtet geht die Erfindung von Herschrittmachern bis auf das frühe 20. Jahrhundert zurück. Die erste Implantation eines Herzschrittmachers fand 1958 im Karolinska Hospital Solna/ Schweden bei dem Patienten Arne Larsson statt (Abb.17 Erster Schrittmacherpat. Arne Larsson). Dank des ständigen Fortschritts im Bereich der Mikroelektronik gelingt es den Herstellern von Herzschrittmacher und Defibrillatoren heutzutage, immer kleinere Devices zu entwickeln, so dass ein Herzschrittmacher heute nicht viel größer als eine Streichholzschachtel ist (Abb. 19 Größe Herzschrittmacher im Vergleich). Dies ist sehr zum Vorteil des Patientenkomforts ohne Abstriche bei Sicherheit und Lebensdauer eines Aggregates zu machen.
Die Implantation findet in der Regel durch eine Operation mit lokaler Betäubung links oder rechts im Bereich des Brustmuskels statt. Von dem Schrittmacheraggregat werden je nach Indikation bis zu drei Kabel (syn. Schrittmacherelektroden, -sonden) über eine herznahe Vene an das Herz geführt, so dass entsprechende elektrische Stimulationen weitergeleitet werden können (Abb. 18 Moderne Schrittmacherelektrode). Die Funktionsdauer eines Herzschrittmachers ist abhängig von der Stimulationshäufigkeit, den patientenspezifischen Einstellungen und auch von dem gewählten Aggregat (in der Regel mehrere Jahre). Ist die Batterie eines Herzschrittmachers erschöpft wird dieser durch eine erneute kleine Operation ausgetauscht.   Nach Neu- oder Erstimplantation eines elektronischen Devices mit Schrittmacher- oder Defielektroden sind extreme Armbewegungen (z.B. Schwimmen, Golf spielen oder heben des Armes oberhalb des Schulterniveau auf der Schrittmacherseite) für ca. 4-6 Wochen zu vermeiden, um eine sichere Einheilung der Sonden zu gewährleisten.    
Sollten Sie einen Herzschrittmacher und/ oder Defibrillator tragen, stellen externe Störsignale auch aufgrund von Störschutzschaltungen (nach Hersteller unterschiedlich) in der Regel kein Problem dar. Ein Mobiltelefon oder auch Haushaltsgeräte wie eine Mikrowelle und andere Gerätschaften im Haushalt können bedenkenlosverwendet werden. Auch ein drahtloses Netzwerk (W-Lan) stört die elektronischen Devices nicht. Sollte Ihr Haushaltsgerät oder z.B. auch Ihre Nachttischlampe einen Kurzschluss oder Wackelkontakt haben, kann dies durchaus zu einer Störung führen und sollte nicht verwendet werden.
Störquellen die einen Herzschrittmacher oder Defibrillator von außen beeinflussen können sind magnetische und elektromagnetische Felder, energiereiche Strahlung sowie mechanische Einwirkungen (Sturz). Sie sollten therapeutische Anwendungen von Strom (z.B. Tens/Reizstromegräte) oder Handlungen bei denen es zum Übertritt von Strom in den Körper kommen kann unterlassen. Diese können durchaus zu einer Beeinflussung eines Defibrillators in seiner Funktion führen und im Einzelfall sogar zu einer falschen Schockabgabe.
Als Herschrittmacher- oder Defibrillatorpatient empfehlen wir Ihnen Ihren Herzschrittmacherausweis stets bei sich zu führen, insbesondere bei einem Arztbesuch oder einem Krankenhausaufenthalt. Sollte keine Herzschwäche oder andere zusätzliche Erkrankungen vorliegen, ist eine sportliche Aktivität sowohl mit einem Herzschrittmacher als auch mit einem Defibrillator möglich. Besprechen Sie Ihre sportlichen Aktivitäten einfach zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt, damit keine Unsicherheit besteht. Gleiches gilt für Ihre berufliche Tätigkeit. Sollten Sie beruflich große Maschinen führen, Elektroschweißgeräte, Schutzgasschweißgeräte verwenden oder durch Ihre Tätigkeit erhöhten Gefahren ausgesetzt sein, sprechen Sie uns an damit wir Sie beraten können. Bereiche die als potentiell gefährlich für einen Herzschrittmacher oder Defibrillatorpatienten ausgewiesen sind sollten gemieden werden.
Neuere Schrittmacher, Defibrillatoren und Sonden sind unter Berücksichtigung der Herstellerangaben auch zur Durchführung einer MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomografie) geeignet. Ist eine MRT Untersuchung bei Ihnen geplant, zeigen Sie bitte Ihren Schrittmacher-, Defibrillatorausweis vor, so dass in jedem Einzelfall eine MRT-Tauglichkeit des Gerätes und der Sonden geprüft werden kann. Eine Sonographie oder Computertomografie (CT) ist ohne Störeinflüsse für Herzschrittmacher- und Defibrillatorpatienten und kann durchgeführt werden.

Erster Schrittmacherpatient A. Larsson
Größenvergleich
Copyright SJM/Abbott
Schrittmachersonde
Copyright Fa. Biotronik
Herzschrittmacher
Copyright Medtronic

Operative Entfernung von Herzschrittmachern, Defibrillatoren und Sonden

Herzschrittmacher und/ oder Defibrillatoren begleiten einen Patienten oft über viele Jahrzehnte.  Da ist es leider nicht immer zu vermeiden, dass es durch Beanspruchung oder auch durch äußere Krafteinwirkung (z.B. Sturz)  zu einem Defekt des Aggregats und/ oder der Sonden kommen kann. Eine dadurch entstehende Dysfunktion kann eine operative Entfernung bzw. einen Tausch des Schrittmachers/ Defibrillators oder auch der Schrittmachersonden notwendig machen. Weitere Komplikationen, die einen Wechsel eines Herzschrittmachers oder Defibrillators erfordern sind Infektionen im Bereich der Aggregattasche oder der Sonden.
Mit den Jahren wächst einer Schrittmacher- oder Defibrillatorsonde oft fest in das Herzgewebe ein und es ist vorstellbar, dass eine Entfernung solch einer  Sonde oft  schwierig ist. Eine Explantation kann in solchen Fällen nur durch eine Operation mittels unterschiedlichen Spezialtechniken und sensiblem Extraktionswerkzeug  in einem Herzzentrum erfolgen. In der Kerckhoff-Klinik werden Explantationen und  Sondenentfernungen durch die Abteilung für Elektrochirurgie in unseren modernen Operationssälen von erfahrenen Herzchirurgen durchgeführt. Eine ausführliche Erläuterung zu spezialisierten chirurgischen Techniken der Device- und Sondenextraktion finden Sie auf unserer Homepage unter der Rubrik Elektrochirurgie.  

Hinweis: Bilder und Filmmaterial auf den Seiten Herzschrittmacher & Defibrillatoren wurden mit freundlicher Genehmigung der  Industrie zur Verfügung gestellt. Die Seiten unterliegen dem Urheberrecht.

 
 
 
 
 

Zentrale Kerckhoff-Klinik
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