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Herzinsuffizienz Patientenseminar 2013
Jubiläums-Symposium
29. Juni 2013 - 9 bis 18 Uhr
9. Frühlingssymposium des Rheumazentrums Gießen - Bad Nauheim
Ein plötzlicher Vernichtungsschmerz in der Brust, Atemnot und manchmal auch eine Bewusstlosigkeit. So erleben die Betroffenen eine Tako-Tsubo-Kardiomyopathie. Auch die medizinischen Befunde – die »Infarktzacken« in der Herzstromkurve (EKG) und manchmal auch ein marginaler Anstieg der Herzenzyme im Blut – sprechen zunächst für einen Herzinfarkt.
Doch in der Herzkatheteruntersuchung finden die Ärzte keinen Hinweis auf den Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Auffällig ist hingegen die Form insbesondere der linken Herzkammer. Die Herzspitze ist typischerweise bauchig erweitert, der Ausflusstrakt in die Hauptschlagader dagegen stark verengt.
Das erinnerte japanische Ärzte, welche die Erkrankung Anfang der 90er-Jahre zuerst beobachteten, an eine Tintenfischfalle, japanisch Tako- Tsubo. Daher hat die Erkrankung ihren Namen.
Abb. 1. Traditioneller Tonkrug (Tako-Tsubo), wie man ihn zum Tintenfischfang verwendete (A). Bei der Darstellung der linken Herzkammer mit Kontrastmittel erinnert deren Form an ein Tako-Tsubo. So exotisch die Bezeichnung auch klingt, eine Tako-Tsubo-Kardiomyopathie ist keineswegs selten.
Sie liegt nach einer neueren deutschen Untersuchung 7,5 Prozent aller vermeintlichen akuten Koronarsyndrome (Herzinfarkte und unmittelbare Vorstufen) bei Frauen zugrunde. Besonders häufig ist die Erkrankung bei Frauen nach den Wechseljahren. Auf diese Gruppe entfallen nahezu neun von zehn Tako-Tsubo- Kardiomyopathien.
Warum ältere Frauen besonders gefährdet sind, ist bisher unklar, auch die eigentliche Ursache der Tako-Tsubo-Kardiomyopathie ist bis heute nicht restlos geklärt. Viele Experten vermuten aber eine starke Freisetzung von Stresshormonen als Auslöser.
Dazu passt, dass die meisten Frauen über ein körperliches oder noch häufiger über ein psychisches Trauma berichten, das der Herzattacke unmittelbar vorausgeht.
Die Tako-Tsubo-Kardiomyopathie wird deshalb manchmal auch als Syndrom des »gebrochenen Herzens« (Broken- Heart- Syndrome) bezeichnet.
Abb. 2. Aus Gewebeproben von Patientinnen konnte gezeigt werden, dass es zu einer regional begrenzten Veränderung der Proteinzusammensetzung kommt. Des Weiteren fanden sich deutliche Hinweise auf eine Überladung mit Stresshormonen. Diese Veränderungen sind nach wenigen Wochen wieder vollständig reversibel.
Schon früh wurde der rätselhafte Herzschmerz in Verbindung mit Stress gebracht. Aus einem umfangreichen Register unserer Klinik konnte gezeigt werden, dass in der Vorgeschichte aller bisher behandelten Patientinnen (40) extrem belastende Situationen auszumachen waren.
Die Frauen waren beispielsweise Opfer eines Überfalls geworden oder hatten schwere psychische Krisen (Tod eines nahen Angehörigen, Familienstreit) durchgemacht. In ihrem Blut konnte deutlich erhöhte Konzentrationen von Stresshormonen (Katecholamine) gemessen werden. Stress-Hormone, darunter Noradrenalin und Adrenalin, werden in Ausnahmesituationen ausgeschüttet, um den Körper besonders leistungsfähig zu machen.
Die linke Herzkammer besitzt vermutlich besonders viele Rezeptoren für Katecholamine. Die neuen Forschungen aus einer Arbeitsgruppe unserer Klinik bestätigen die Stress-Hypothese: Die Hormon-Flut bewirkt, dass die Kalzium-Regulation im Herzmuskel aus dem Ruder läuft. Dabei konnte in der linken Herzkammer ein Protein entdeckt werden, das dort eigentlich gar nicht vorkommen sollte, das Sarcolipin. Da Kalzium der Regulator der Herzkontraktion ist, legt das Sarcolipin den Herzmuskel lahm.
Die lebensbedrohlich wirkenden Attacken können nach heutiger Datenlage wiederholt auftreten. Man weiß, dass es bei 10% aller Patientinnen zu einem Rezidiv kommen kann.
Aber warum sind nur Frauen betroffen?
Aus heutiger Sicht, ist diese Frage nur ungenügend zu beantworten. Man weiß jedoch, dass Frauen nach den Wechseljahren der herzschützende Effekt des Hormons Östrogen fehlt und möglicherweise hierdurch gefährdeter sind.
Eines der faszinierendsten Phänomene der Tako- Tsubo- Kardiomyopathie ist die Tatsache, dass das Herz sich in 99% der Fälle wieder vollständig regeneriert. Nur etwa ein Prozent der Patienten stirbt an Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen.
Deshalb sollten Patientinnen in der Akutbehandlungsphase intensivmedizinisch überwacht werden und bis zur Wiedererholung der Herzfunktion im Krankenhaus verbleiben.
Nach einem Akutereignis sollte die Therapie überwiegend in der Verabreichung von Beta-Blockern und ACE- Hemmern bestehen.
Allerdings muss gleichzeitig eine psychokardiologische, stressabbauende Betreuung dieser Patientinnen erwogen werden.
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