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ICD und was dann? Nachbetreuung von Patienten nach ICD Implantation

2011-05-26

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Die Implantation von Defibrillatoren und Herzschrittmachern ist heute medizinisch schon lange ein Routineverfahren. 30 Jahre nach der ersten erfolgreichen Implantation eines ICD’s ist die Therapie längst erfolgreich etabliert.

Dies und entsprechende Leitlinien lassen die Implantationszahlen weiter anwachsen. Hinzu kommt eine ständig steigende Zahl von Herzinsuffizienzpatienten, die mit Fortschreiten der Erkrankung häufig mit einem kardialen Resynchronisationssystem mit kombiniertem Defibrillator versorgt werden.
Die Bedeutung der rein chirurgischen Implantation eines solchen Systems rückt zunehmend in den Hintergrund, allein in der Kerckhoff-Klinik werden jährlich mehr als 1.500 solcher Eingriffe durchgeführt, zunehmend an Bedeutung gewinnt das Management der betroffenen Patienten nach der Implantation.

Referentenv. li. n. re.: Prof. Dr. T. Mengden, Prof. Dr. J. Jordan, Dr. J. Sperzel, Dr. M. Wilhelm

Wie können Patienten nach einem solchen Eingriff optimal betreut werden, wer und vor allem wie wirken Hausärzte, Kardiologen, Akutklinik und Rehabilitationseinrichtung
daran mit?

Prof. Thomas Mengden, Ärztlicher Leiter der Abt. für Rehabilitation an der Kerckhoff-Klinik, stellte den Anwesenden das Bad Nauheimer Nachbetreuungskonzept vor, das als ein integratives Konzept die einzelnen medizinischen Instanzen miteinander verbindet und so die optimale Betreuung des Patienten garantieren kann.

Dr. Johannes Sperzel, Oberarzt der Abt. Kardiologie/Elektrophysiologie an der Kerckhoff-Klinik und international anerkannter Spezialist auf dem Gebiet der kardialen Resynchronisationssysteme, hob in seinem Vortag hervor, wie wichtig die optimale Einstellung des Geräts nach dem Einsetzen auf den jeweiligen Patienten und seine Lebensumstände ist.

Oberstes Ziel ist die Optimierung der Lebensqualität, ohne den Patienten zu belasten. Die heutigen, modernsten Geräte erfüllen höchste technische Standards, geben den Patienten höchstmögliche Sicherheiten und helfen mit, die oft komplexe Therapie der Betroffenen zu optimieren. „Wir sind auf dem besten Weg zu einer Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten, in der die implantierten Systeme eine wichtige Funktion erfüllen“, betont Dr. Sperzel.

Häufig sind auch Menschen betroffen, die körperlich noch sehr aktiv sind, etwa sehr junge Patienten, die nach einer akuten Erkrankung des Herzens auf einen ICD angewiesen sind. Was passiert nach einer Implantation, kann der Patient wieder Sport treiben und in welchem Maß oder ist der ICD gar eine Kontraindikation?
Diesen Fragen widmete sich Dr. Matthias Wilhelm, Oberarzt und Leiter der Sportkardiologie am Universitätsspital in Bern/Schweiz und er stellte ganz klar fest: ein ICD ist keine Kontraindikation für Sport, im Gegenteil, eine vernünftige Belastung führt zu einer deutlich verbesserten Herzfunktion.

Prof. Dr. Jochen Jordan, Leiter der Klinik für Psychokardiologie an der Kerckhoff-Klinik erläuterte in seinem Vortrag schließlich die psychologischen Komponenten nach einer ICD Implantation.

Die Lebensqualität der Patienten, das Erleben und die psychische Bewältigung der ICD-Implantation rücken heute zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. Während der Großteil der betroffenen Patienten den Eingriff problemlos bewältigt, gut mit dem ICD zurecht kommt und deutlich an Lebensqualität gewinnt, reagieren 1/3 der Patienten innerhalb des ersten Jahres mit psychischen Beschwerden, die behandlungsbedürftig sind. Besonders betroffen sind Patienten, die mit einer Schockabgabe konfrontiert werden oder sogar Mehrfachschocks erleben.
Dies stellt eine massive außeralltägliche Belastung dar und kann zu vermehrten psychischen Problemen führen, unter anderem zu Depressionen, Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen.
Für betroffene Patienten gibt es allerdings bisher nur wenige Hilfsangebote.
Im Rahmen des Bad Nauheimer Nachbetreuungskonzeptes werden auch diese Beschwerden therapiert. Abhängig vom zeitlichen Auftreten der psychischen Beschwerden, ihrer Heftigkeit und Dauer werden unterschiedliche Therapieansätze angeboten, um den Patienten zu einer verbesserten Lebensqualität zu verhelfen.

/Files/images/foto_sperzel.jpgDr. med. Johannes Sperzel

Abschließend resümierte Dr. Sperzel: „Eine integrative Versorgung ist von enormer Bedeutung für die Patienten, sie gibt Ihnen Sicherheit und hilft in den normalen Alltag zurückzukehren. Letztlich ist dies immer das Ziel: dem Patienten die Lebensqualität zurück zu geben, die er vor seiner Erkrankung hatte oder aber wenigstens die Erkrankung so zu therapieren, dass eine erträgliche Lebensqualität erreicht wird. Wir möchten hier in der Kerckhoff-Klinik mit diesem Konzept neue Wege beschreiten und dafür sorgen, dass unsere Patienten optimal versorgt sind und Ihren Alltag wieder mit Freude meistern können. Wichtig sind solche Konzepte aber für alle ICD Patienten, nicht nur in unserer Region, daher wäre es von enormer Wichtigkeit, wenn es sich deutschlandweit durchsetzen würde.“

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