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2010-11-24
Zahlreiche Gäste füllten den Kristallsaal im Kerckhoff-Rehabilitations-Zentrum zunächst am Samstag, den 06011.2010 nahezu bis auf den letzten Platz, um sich über Ursachen und Therapiemöglichkeiten beim Auftreten von Herzrhythmusstörungen zu informieren
Nach der Begrüßung der Gäste und einer Einführung zum Thema durch Prof. Dr. Christan Hamm, Ärztlicher Direktor der Kerckhoff-Klinik, begannen die Vorträge.
Dr. Harald Greis, Assistenzarzt der Abteilung Elektrophysiologie, gab einen Überblick über die verschiedenen Formen von Herzrhythmusstörungen. Er berichtete zunächst über die Ursachen des zu schnellen Herzschlags, die tachykarden Herzrhythmusstörungen und anschließend über die des zu langsamen Herzschlags, die sogenannten bradykarden Herzrhythmusstörungen. „Dass das Herz hin und wieder mal zu schnell oder zu langsam schlägt, passiert gelegentlich und muss kein Zeichen für eine Erkrankung sein. Gerade z. B. trainierte Sportler haben häufig einen niedrigen Ruhepuls. Treten Herzrhythmusstörungen jedoch häufiger oder über einen längeren Zeitraum auf, sollte man die Ursache in jedem Fall ärztlich abklären lassen“ erläuterte Dr. Greis.
Priv.-Doz. Dr. Thomas Neumann, Oberarzt der Abteilung Elektrophysiologie, brachte die Gäste dann auf den neuesten Stand in Sachen modernster Diagnostik und Therapie bei Herzrhythmusstörungen. Wie kann man eine dauerhafte Herzrhythmusstörung erkennen und dann sinnvoll behandeln, auf diese und weitere Fragen gab Dr. Neumann Antworten. „Wichtig ist zunächst das Erkennen einer Rhythmusstörung, denn viele Patienten leiden oft jahrelang darunter, ohne dass die richtige Diagnose gestellt wird“. Welche Möglichkeiten hat der Hausarzt oder der niedergelassene Kardiologe und wann sollte eine spezialisierte Abteilung, wie z. B. in der Kerckhoff-Klinik aufgesucht werden? Auch hierzu gab er ausführliche Auskunft.
Priv.-Doz. Dr. med. T. Neumann
„Häufig gibt es kurative (heilende) Behandlungsmöglichkeiten mittels eines Kathetereingriffs und eine medikamentöse Therapie kann beendet werden“ führte PD Dr.Neumann aus.
Nach einer regen Diskussion ging es dann zunächst in die Pause, in der die Gäste sich stärken und mit weiterem Informationsmaterial der Klinik und der Deutschen Herzstiftung versorgen konnten.
Dr. Malte Kuniss, Oberarzt der Abt. Kardiologie und stv. Leiter des Bereichs Elektrophysiologie eröffnete dann den zweiten Teil der Veranstaltung.
Er verschaffte den Zuhörern einen Überblick über die Begriffe Vorhofflimmern, Vorhofflattern und anderer Arrhythmien, die am Herzen auftreten können. „Vorhofflimmern ist eine Erkrankung, die mit zunehmendem Alter immer häufiger auftritt. Rund 10% der über 80-jährigen sind davon betroffen. Vorhofflimmern ist in der Regel nicht lebensbedrohlich, kann jedoch unbehandelt erhebliche Folgeschäden nach sich ziehen“. Es gibt verschiedene Möglichkeiten den gestörten Herzrhythmus wieder in einen normalen zu überführen. Neben einer elektrischen Rückführung, der Kardioversion, können Medikamente zum Einsatz kommen. Ist diese Behandlung nicht anhaltend erfolgreich steht heute die Möglichkeit einer Katheterbehandlung, der sog. Pulmonalvenenisolation zur Verfügung, die im Einzelfall auf Machbarkeit und Sinnhaftigkeit in einem hierin erfahrenen Zentrum erfolgen kann.
Herzschrittmacher und Defibrillatoren waren im Anschluss das Thema von Dr. Jörn Schmitt, Assistenzarzt in der Abt. Elektrophysiologie.
Sie werden zum einen zur Behandlung von langsamen, zum anderen von schnellen Herzrhythmusstörungen eingesetzt, immer dann wenn die Erkrankung medikamentös nicht ausreichend oder ausreichend sicher erfolgen kann und für den betroffenen Patienten die Gefahr besteht, dass eine plötzlich einsetzende Herzrhythmusstörung im Zweifelsfall zum Tod führen könnte. Auch als Unterstützung bei Patienten mit Herzschwäche finden sie als sogenannte Resynchronisationstherpie Anwendung. In der Hand des Erfahrenen Behandlungsteams tragen Sie mit hoher Erfolgsrate zur Verbesserung der Pumpleistung bei. „Wichtig ist es auf den einzelnen Patienten individuell abgestimmt den richtigen Herzschrittmacher oder Defibrillator zu implantieren, insbesondere um eine optimale Anpassung an die Leistungsfähigkeit des Patienten zu erzielen“, so Dr. Schmitt. Bei der Implantation neuester Schrittmachergenerationen, besteht weiterhin die Möglichkeit der Fernüberwachung über Telefonverbindungen und damit eine hohe Sicherheit für den Träger. Die Kerckhoff-Klinik hat das Bestreben und das Glück diese innovativen Technologien ihren Patienten anbieten zu können
Dr. med. M. Kuniss
Die Veranstaltung schloss mit einer weiteren Diskussion, in der die Gäste noch jede Menge Fragen hatten, die die Referenten ausführlich beantworteten.
Das erste von 2 weiteren Patientenseminaren der Kerckhoff-Klinik fand dann am darauffolgenden Dienstag, den 09.11.2010 statt. Der Abend war ganz dem Thema Telemedizin und Telemetrie bei Herzrhythmusstörungen gewidmet. Als Referenten und Gesprächspartner standen den Gästen Dr. Wolfgang Ricken, Oberarzt der Abteilung der Abteilung Kardiologie und Dr. Jörn Schmitt aus der Abteilung Elektrophysiologie zur Verfügung.
Telemedizin bezeichnet die Möglichkeit, medizinische Daten, also Texte, Tabellen, Befunde, EKGs sowie Bilder, über große Entfernungen hinweg elektronisch auszutauschen bzw. zu versenden, um diagnostische Hilfestellung und mehr Sicherheit bei der Behandlung erzielen zu können.
Arzt und Patient stehen über so genannte Telemonitoring-Systeme entweder direkt oder mittelbar über eine Zentrales Monitorzentrum miteinander in Verbindung, ohne dass ein Termin in der Praxis oder dem Krankenhaus notwendig ist. Die Patienten haben hierbei über den telefonischen Kontakt hinaus, auf die Erkrankung abgestimmt, Geräte, wie eine elektronische Waage, ein Blutdruckmessgerät und idealerweise ein 12-Kanal-EKG zur Verfügung, um so eine Messung und automatische Übermittlung ihrer Vitaldaten vornehmen zu können. Kommt es zu auffälligen Veränderungen, informiert das mobile Messgerät automatisch, z. B. über das Mobilfunknetz umgehend ein telemedizinisches Zentrum. Von dort aus wird dann der Hausarzt, Facharzt oder das Krankenhaus informiert – ein schnelles Verfahren, das im Zweifelsfall Leben retten kann.
Spezielle Herzschrittmacher und Defibrillatoren ermöglichen heute eine Fernabfrage, um die Funktion überprüfen und Fehlfunktionen erkennen zu können, ohne dass der Patient zwingend den Arzt direkt aufsuchen muss.
Telemedizin bewährt sich vor allem bei der räumlichen Trennung von Arzt und Patient und verhilft besonders chronisch Kranken zu mehr Sicherheit und Lebensqualität. „Telemonitoring soll helfen in Ergänzung zur Betreuung durch den Hausarzt, den Facharzt und die Klinik einen Beitrag zu leisten, der zu mehr Sicherheit, Stabilität der Gesundheit, zur Patientenschulung und Förderung der Mitarbeit beiträgt und somit nicht zuletzt auch zu gesundheitsökonomischen Vorteilen führt. Dies haben zahlreiche Studien gezeigt. Das Thema Datenschutz hat hierbei hohe Priorität. “, so Dr. Ricken, der sich seit Jahren intensiv und engagiert mit diesem Thema beschäftigt.
Auch die abschließende Veranstaltung am Dienstag, den 16.11.2010 zog zahlreiche Interessenten an. Referenten und Gesprächspartner an diesem Abend waren Dr. Matthias Roth, leitender Oberarzt der Abt. Herzchirurgie, Dr. Burger, FA f. Chirurgie und als Vertreter der Kardiologie nochmals Herr Oberarzt Dr. Ricken. Thema waren die herzchirurgischen Behandlungsmöglichkeiten bei Herzrhythmusstörungen.
Neben den Behandlungsmethoden, die die Kardiologen mit einer Verödungsbehandlung mit Hilfe spezieller Katheter (sog. Ablationsbehandlung) anbieten können und den Möglichkeiten einer medikamentöse Therapie kann der Herzchirurg operative Behandlungsverfahren anbieten, wie die Herzklappen oder die Bypassoperation, die die „Überlast“ vom Herzen nehmen und dadurch Herzrhythmusstörungen verringern oder verhindern können. Liegt Vorhofflimmern vor kann im Rahmen der oben genannten Herzoperationen eine Verödungsbehandlung erfolgen, gleiches gilt für den Fall, dass die Katheterbehandlung die Rhythmusstörung auch nach mehrmaliger Therapie nicht beseitigen konnte.
Welcher Patient kommt für welchen operativen Eingriff in Frage, wie sind die Therapieerfolge, diese und weitere Themen behandelte das Ärzteteam des Abends.
Abschließend hatten die Gäste auch dann wieder die Gelegenheit Fragen an Dr. Roth, Dr. Burger und Dr. Ricken zu stellen, was reichlich und ausgiebig genutzt wurde.
Zum Ende der Vortragsreihe 2010, konnte Dr. Ricken zufrieden resümieren: “Alle drei Veranstaltungen waren auf außerordentlich große Resonanz gestoßen und trotz der Fülle der Veranstaltungen im Großraum sehr gut besucht. Die Abstimmung der Themen war offensichtlich gelungen und wir konnten mit 8 Stunden intensiver Fortbildung für Betroffene und Laien, unterstützt durch die tatkräftigen ehrenamtlichen Helfer der Herzstiftung, einmal mehr zur Aufklärung über Herzerkrankungen beitragen. Wir freuen uns schon auf die nächste Herzwoche im Jahr 2011“.
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