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Am 03. Februar wurde der weltweit erste 3-Kammer Defibrillator einer neuen Generation in der Kerckhoff-Klinik implantiert

2010-02-09

Unify OP Szene Dr. med. Heiko Burger mit seinem Team bei der Implantation des weltweit ersten biventrikulären Defibrillators der neuesten Gerätegeneration (UNIFY) von St. Jude Medical.

Am Mittwoch, den 03.02.2010 wurde in der herzchirurgischen Abteilung der Kerckhoff-Klinik die weltweit erste Implantation eines neuartigen 3-Kammer Defibrillators (CRT) vorgenommen.

Seit über 10 Jahren können Patienten mit einer hochgradig eingeschränkten Herzfunktion mit speziellen implantierbaren Herzschrittmachern und ICDs (implantierbare Cardioverter-Defibrillatoren) behandelt werden.

Hier kommen spezielle 3-Kammer Herzschritt-
macher- oder 3-Kammer ICD-Systeme (Synonym: biventrikuläre- oder CRT-Systeme) zum Einsatz. Ziel dieser speziellen Therapie ist es, die bestehende Herzinsuffizienz durch komplexe Herzschrittmacherstimulationen so zu behandeln, dass sich die Herzleistung wieder erhöht. Zudem haben diese Patienten aufgrund ihrer Erkrankung oftmals ein deutlich erhöhtes Risiko lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zu erleiden. Durch die Defibrillatorfunktion der ICD-Gerätegruppe können solche, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen selbstständig erkannt und entsprechend der hinterlegten Programmierung eigenständig behandelt werden. Auf diese Art und Weise werden die Patienten zusätzlich vor dem gefürchteten plötzlichen Herztod geschützt.

Die entsprechenden Geräte werden den Patienten während einer Operation im Bereich des Oberkörpers unter den Brustmuskel implantiert und sind durch spezielle Elektroden mit dem Herzen verbunden. Somit kann der Herzrhythmus permanent überwacht und die einzelnen Herzkammern unabhängig voneinander stimuliert werden. Auch kann das Gerät beim Auftreten lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen eine entsprechende Defibrillation durchführen und den Herzrhythmus so normalisieren.

Die neue Gerätegruppe UNIFY TM fällt schon aüßerlich durch die schlanke Bauform des Gehäuses mit abgerundeten Kanten und einem schmalen Gehäusekopf zur Sondenaufnahme auf. Diese neue, kleinere Bauform wurde insbesondere durch eine neuartige, platzsparende Batterietechnik ermöglicht. Aufgrund der kompakteren Bauform kann der Chirurg nun auch eine kleinere Aggregattasche anlegen, was dem Patienten durch einen kleineren Schnitt zugutekommt.

Unify

Wesentlich für den Patienten ist aber sicherlich die deutlich längere Haltbarkeit der Batterie.
So sollen 1-Kammer-Defibrillatoren bis zu 9, 2-Kammer-Geräte bis zu 7 und das hier implantierte 3-Kammer System bis zu 5 Jahren mit einer ausreichenden Batteriespannung versorgt werden können.
Für den Patienten verlängert sich somit das Intervall bis zum notwendigen Aggregatwechsel und führt über die Jahre betrachtet zu weniger notwendigen operativen Gerätewechseln.


Der neue ICD (Unify) kann aber noch mehr:
Der Defibrillator ist aufgrund spezieller Filter in der Lage das intrakardiale Patienten-EKG noch genauer zu analysieren. Desweiteren kann er die Schockenergie nach einem ineffektiven Schock (wenn das Kammerflimmern weiter besteht) nochmals deutlich auf 40Joule erhöhen und somit die Sicherheit für den Patienten zusätzlich steigern.
Auch versucht dieses Gerät, während des notwendigen Ladevorgangs unmittelbar vor einer Schockabgabe, das bestehende Kammerflimmern durch gezielte Impulse (ATP=Anti-Tachykardes-Pacing) bereits zu behandeln und somit einen eventuell notwendigen Schock zu umgehen. Normalisiert sich der Herzrhythmus aufgrund dieser Impulse, so wird der Defibrillationsvorgang sofort abgebrochen und es erfolgt keine Schockabgabe.

Weiterhin wartet die neue ICD-Serie mit neuen interessanten Programmieroptionen, neuen übersichtlicheren Analysemöglichkeiten (insbesondere mit verlängerten Analyseintervallen) und zusätzlichen Alarmoptionen auf.

Der behandelnde Arzt kann die Leistungsparameter wie gehabt individuell an den jeweiligen Patienten anpassen. Damit können auch Patienten mit hoher oder variierender Defibrillations-Schwelle optimal versorgt werden. Insgesamt verbessert sich durch die neue Technologie die Sicherheit des Patienten bei gleichzeitig höherem Schutz vor unnötigen Stromstößen.

Der UNIFY ist Telemedizin-kompatibel. Über einen speziellen Transmitter, ein drahtloses Überwachungssystem beim Patienten zu Hause, werden Mediziner in naher Zukunft ihre Patienten aus der Ferne überwachen können.

Aufgrund der großen Erfahrung des Teams der Kerckhoff-Klinik, die international zu den leistungsfähigsten Herz-Zentren gezählt wird, hatte ma sich bewusst dazu entschlossen, das weltweit erste Gerät dieser Art in der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim einem Patienten implantieren zu lassen.

Der Eingriff erfolgte in der letzte Woche in der Abteilung für Herzchirurgie durch den Facharzt Dr. med. Heiko Burger.
„Die Implantation dieser neusten Defibrillator-Generation entspricht dem operativen Vorgehen anderer bekannter Defibrillatoren. Allerdings kann hier aufgrund der deutlich schlankeren Bauform eine kleinere Aggregattasche präpariert werden. Es ist daher ein kleinerer Hautschnitt notwendig als man es von vergleichbaren Geräten kennt. Insbesondere benötigen die neuen Gerätefunktionen keine zusätzlichen Sonden. Die neuartigen Batterie sollen eine deutlich längere Gerätelaufzeit garantieren, somit werden weniger Aggregatwechsel aufgrund der unvermeidbaren Batterieerschöpfung notwendig. Diese Vorteile kommen den Patienten sicherlich zu Gute und führen auch zu einem verbesserten Tragekomfort“, so Dr. Burger nach der erfolgreichen Implantation.

„Der neue 3-Kammer Defibrillator bietet eine Vielzahl von neuen Programmieroptionen über die wir uns sehr freuen. Wir erhoffen uns davon eine weitere Verbesserung in der Behandlung der schweren Herzinsuffizienz zum Wohle unserer Patienten, eine gezieltere Defibrillatortherapie und eine längere Gerätelaufzeit“, erläutert Dr. med. Johannes Sperzel, Oberarzt der Abt. Kardiologie an der Kerckhoff-Klinik.

Auch Prof. Dr. med.Thomas Walther, der neue Direktor der Abteilung für Herzchirurgie an der Kerckhoff-Klinik, zeigte sich hoch erfreut und betonte die gute und vorbildliche interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen für Kardiologie und für Herzchirurgie.
Dieses Team steht zum einen unter der Leitung des herzchirurgische Oberarztes Dipl. med. Torsten Schwarz, der für die operativen Leitungen und die Durchführung der z.T. hochkomplexen Eingriffe verantwortlich ist, sowie dem kardiologischen Oberarzt Dr. med. Johannes Sperzel, der für den Bereich der Diagnostik, Geräteauswahl, Programmierung und die notwendigen Gerätekontrollen die Verantwortung trägt.
Nur durch diese gut vernetzte Zusammenarbeit war es in den letzten Jahren möglich die Anzahl der Eingriffe kontinuierlich zu steigern und so konnten im vergangenen Jahr über 1400 Eingriffe auf höchstem Niveau durchführt werden.

Dr. Schwarz webOberarzt der Herzchirurgie Dipl. med. Torsten Schwarz/Files/images/foto_sperzel.jpgOberarzt der Kardiologie Dr. med. Johannes Sperzel


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Kontakt:

Sekretariat Elektrophysiologie
Dr. med. Johannes Sperzel
Oberarzt der Abt. Kardiologie
Kerckhoff-Klinik gGmbH
Benekestr. 2-8
61231 Bad Nauheim
Tel.: 06032/ 996 2374
Fax: 06032/ 996 2236
j.sperzel@kerckhoff-klinik.de
www.kerckhoff-klinik.de

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