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  • „Der Herzkatheter kann Leben retten“ - Deutschland führt als erstes Land in Europa Standards für diagnostische Katheteruntersuchungen ein.

„Der Herzkatheter kann Leben retten“ - Deutschland führt als erstes Land in Europa Standards für diagnostische Katheteruntersuchungen ein.

2009-03-16

Professor Doktor Christian Hamm Prof. Dr. C. Hamm Ärztlicher Direktor u. Direktor der Abt. Kardiologie der Kerckhoff-Klinik gGmbH

Neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie soll Klarheit bei den Indikationen für Herzkatheterdiagnostik bringen und Qualität verbessern.

Obwohl die Diagnostik mit dem Herzkatheter heute zu den Standardmethoden in der klinischen Praxis zählt, existierte bisher keine Leitlinie für dieses Verfahren - weder in Deutschland, noch in anderen europäischen Ländern“, kommentiert Prof. Dr. Christian Hamm, Chefarzt der Abteilung Kardiologie an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim und federführender Autor der neuen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), in einer Publikation der Fachzeitschrift Cardio News (Ausgabe 11-12, 2008).

„Mit den neuen Leitlinien hat die DGK nun erstmals die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sowohl Indikationsstellung wie Durchführung einer Katheteruntersuchung nach definierten und anerkannten Standards erfolgt“, so Prof. Hamm weiter.

Die Empfehlungen, die gemeinsam von universitären Einrichtungen, der Arbeitsgemeinschaft der leitenden kardiologischen Krankenhausärzte (ALKK) und dem Berufsverband niedergelassener Kardiologen (BNK) erarbeitet wurden, legen für Untersucher und Patienten fest, wann eine Indikation für eine Katheteruntersuchung vorliegt, wann sie abzulehnen ist und wie die Untersuchung abzulaufen hat.

Erstmals seien damit die Vorstellungen und Erfahrungen aller großen Herzkatheterschulen Deutschlands in eine gemeinsame und generelle Durchführungsempfehlung eingeflossen.

„Natürlich versprechen wir uns von der Einführung der Leitlinien eine weitere Verbesserung der Qualität in der Herzkatheterdiagnostik“, erläutert Prof. Hamm die Zielsetzung.

Mit ca. 5000 diagnostischen Herzkatheteruntersuchungen und ca. 2000 interventionellen Eingriffen pro Jahr zählt die Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim zu den führenden Herzzentren in Deutschland.

Neues Krankenhausgebäude

Herzkatheterdiagnostik ist keine Routineuntersuchung

Neben der Qualitätsverbesserung spielte bei der Entwicklung der Leitlinien jedoch auch die anhaltende Diskussion zu den hohen Zahlen dieser Untersuchungen in Deutschland eine Rolle: „Kardiologen in Deutschland sehen sich immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, dass hierzulande zu viele Katheteruntersuchungen durchgeführt würden.“

Tatsächlich liegt die Zahl der Untersuchungen in Deutschland deutlich höher, als in anderen europäischen Ländern: Kommt dieses Verfahren zur Diagnose von Schädigungen oder Verengungen der Blutgefäße des Herzens europaweit knapp mehr als 2,2 Millionen Mal pro Jahr zum Einsatz, so sind es alleine in Deutschland jährlich mehr als 700.000 dieser Untersuchungen.

Mit 8.600 Katheteruntersuchungen pro Million Einwohner wenden Kardiologen hierzulande dieses Verfahren damit mehr als doppelt so häufig an, wie im europäischen Durchschnitt, der bei 3.930 Untersuchungen pro Million Einwohner liegt.

„Tatsache ist, dass in Deutschland die meisten Katheteruntersuchungen durchgeführt werden. Tatsache ist aber auch, dass Deutschland ein Land mit sehr hohem medizinischem Standard in der kardiologischen Versorgung ist. Unter anderem steht die große Zahl von Herzkathetermessplätzen dafür, ermöglicht sie es doch, dass Patienten mit einem Herzinfarkt innerhalb kürzester Zeit einer Katheteruntersuchung und –intervention zugeführt werden können“, kommentiert Prof. Hamm.

Allerdings sieht er durchaus auch Mängel in der gegenwärtigen Praxis, denn in manchen Regionen werde die Indikation zur Katheteruntersuchung, besonders bei Kontrollen nach einer Intervention wie der Implantation eines Stents, allzu großzügig gestellt.

„Gleichzeitig ist aber vor allem beim akuten Koronarsyndrom eine zu zögerliche Anwendung des Verfahrens zu erkennen. Hier kann der Einsatz des Herzkatheters zur Diagnostik per Koronarangiografie und gleichzeitiger Intervention Leben retten“, stellt Prof. Hamm fest. Für Patienten mit stabiler Angina Pectoris verlange die Leitlinie dagegen stets eine Abklärung der klinischen Symptomatik und den Ischämienachweis, bevor eine Katheteruntersuchung in Betracht komme.

„Als reine Routineuntersuchung ohne besondere Begründung ist die Herzkatheterdiagnostik dagegen nicht geeignet. Hier macht die Leitlinie klare Vorgaben, wann der Katheter zum Einsatz kommen soll und wann nicht“, so Prof. Hamm.

In der Regel stelle der primär betreuende Arzt die Indikation. Häufig sei dieser jedoch kein Kardiologie oder nicht selbst invasiv tätig. „Hier ist nun klar definiert, welche Voraussetzungen durch den Kardiologen, der die Katheteruntersuchung vornimmt, geprüft und welche Voruntersuchungen durchzuführen sind. Dabei wird exakt beschrieben, welche Informationen vorliegen müssen und welche fachlichen Voraussetzungen der Untersucher erfüllen muss.

Ebenso werden die Details für einzelne Krankheitsbilder, die notwendigen technischen Voraussetzungen sowie der Untersuchungsablauf vorgegeben“, erläutert Prof. Hamm und ergänzt abschließend: „Die neue Leitlinie ist in weiten Teilen Expertenkonsens und repräsentiert das aktuelle State-of-the-Art Wissen in der Herzkatheterdiagnostik.“

Die Leitlinie ist abrufbar auf der Internetseite der DGK in der Rubrik „Leitlinien“ unter http://www.dgk.org.

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