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2008-12-19
Pressekonferenz am 19.12. 2008 in der Kerckhoff-Klinik, Teilnehmer v.l.n. r.: Prof. Dr. Dr. W. v. Eiff, stv. Vorsitzender des Aufsichtsrates; Dr. Walter Arnold, Staatssekretär im HMdF, Vorsitzender der Stiftung W.-G. Kerckhoff Herz- u. Rheumazentrum; Dr.B.v.Thuelen, Pressesprecher Kerckhoff-Klinik; Prof. Dr. Christian Hamm, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer; Ulrich Jung, Verwaltungsdirektor und kaufm. Geschäftsführer
Stiftungsvorstandsvorsitzender und neue Geschäftsführung nehmen Stellung zu Führungswechsel – Weiterer Ausbau der Thoraxchirurgie steht unmittelbar bevor – Eigenständigkeit der Klinik wird nicht in Frage gestellt – Stärkere regionale Vernetzung angestrebt
(BvT) „Natürlich ist allen Beteiligten die Entscheidung zur Abberufung der bisherigen Geschäftsführung der Kerckhoff-Klinik nicht leicht gefallen“, kommentiert der Stiftungsvorstandsvorsitzender der Stiftung William G. Kerckhoff Herz- und Rheumazentrum Bad Nauheim, Staatssekretär im Hessischen Finanzministerium, Dr. Walter Arnold, die Entscheidung der Aufsichtsgremien der Klinik.
Diese hatten am 7. Dezember einen Wechsel an der Spitze der Klinik beschlossen und den Kaufmännischen Geschäftsführer, Dr. Hans-Albert König, sowie den Ärztlichen Geschäftsführer, Prof. Dr. Dietrich E. Birnbaum als Geschäftsführer wegen unter-schiedlicher Auffassungen in der strategischen Ausrichtung der Kerckhoff-Klinik GmbH abberufen. „Trotz des sicherlich positiven Beitrages, den beide Geschäftsführer für die wirtschaftliche Entwicklung der Klinik in der Vergangenheit erbracht haben, waren die Differenzen in der Sache unüberbrückbar und hätten sich im Rahmen der Anforderungen moderner Versorgungsstrukturen mittelfristig zum Nachteil für die Klinik und die Region entwickelt“, so Dr. Arnold weiter.
Als neuer Ärztlicher Direktor wurde der langjährige Chefarzt der Abteilung Kardiologie und bisherige Forschungsgeschäftsführer, Prof. Dr. Christian Hamm, berufen. Der bisherige Pflegedirektor und Mitglied der Geschäftsleitung, Ulrich Jung, tritt die Nachfolge von Dr. König als Kaufmännischer Geschäftsführer und Verwaltungsdirektor an.
Über die Gründe für den personellen Wechsel waren in der Berichterstattung der Medien in den vergangenen Tagen zahlreiche Spekulationen zu lesen. So soll u. a. die kürzlich vereinbarte Kooperation mit den Lahn-Dill-Kliniken zur Versorgung kardiologischer und onkologischer Patienten der Auslöser für die Personalentscheidung gewesen sein.
Dieser Vermutung tritt Dr. Arnold klar entgegen: „Die Kooperation mit Wetzlar hat im Kern der Sache keine Rolle gespielt, da eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Häusern ohnehin schon seit langem besteht und auch in Zukunft fortgesetzt werden soll. Darüber waren auch die Aufsichtsgremien informiert.“
Prof. Hamm ergänzt hierzu: “Vor allem im Bereich Elektrophysiologie und Herzchirurgie verbindet uns eine lange Tradition der Kooperation. Da die Lahn-Dill-Kliniken nicht über eine eigene elektrophysiologische Abteilung verfügt, lag hier die Zusammenarbeit mit einem Hochleistungszentrum wie der Kerckhoff-Klinik auf der Hand. Gleiches trifft auf herzchirurgische und rheumatologische Patienten zu.“ „ Die Kooperation mit dem Krankenhaus Wetzlar ist Teil des Kooperationskonzeptes der Kerckhoff-Klinik, und steht nicht zur Disposition“ ergänzt Prof. Hamm.
Es gab grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung der Klinik, die letztlich zur Abberufung der bisherigen Geschäftsführung geführt haben, erläutert Dr. Arnold: „Im Kern ging es bei der Entscheidung um die Frage, in welcher Weise die Kerckhoff-Klinik künftig in die regionale Gesundheitsversorgung eingebunden werden soll. Die Eigentümerin der Klinik orientiert sich hierbei an dem Ansatz der ´Regional Governance´ als eines der Steuerungsmodelle, die erforderlich sind, um auch künftig in der Fläche qualifizierte medizinische Versorgungsstrukturen gewährleisten zu können."
Im Übrigen sind die Gründe für die Abberufung der bisherigen Geschäftsführung ein GmbH-interner Vorgang und stehen hier nicht zur Diskussion.
„Das Konzept der Regional Governance sieht eine institutionenübergreifende Koordination der Schwerpunktbildungen in den Krankenhäusern mit einer Vernetzung aller Leistungsträger einer Region zu einer funktionellen Einheit vor“, erklärt Prof. Dr. Dr. Winfried von Eiff, Lehrstuhlinhaber und Leiter des Institutes für Krankenhausmanagement an der westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Mitglied im Aufsichtsrat der Kerckhoff-Klinik und international anerkannter Versorgungsforscher.
„Mit diesem Ansatz steht erstmals ein intelligentes Modell zur Verfügung, das eine ökonomisch effiziente und medizinisch sinnvolle Steuerung der begrenzten Ressourcen im Gesundheitsmarkt erlaubt.“
Unabdingbare Voraussetzung hierfür sei es jedoch, dass es bei den beteiligten Partnern keine Denkverbote hinsichtlich der Frage gibt, mit welchen Trägern eine solche Kooperation gestaltet werden könne. „Für den Erfolg eines solchen Konzeptes ist die Zusammenarbeit von Partnern in öffentlich-rechtlicher und freigemeinütziger Träger-schaft ebenso notwendig, wie mit Partnern in privater Trägerschaft“, führt Prof. von Eiff aus und Dr. Arnold ergänzt hierzu: „Eben diesen Punkt hat die bisherige Geschäftsführung grundsätzlich anders gesehen. Damit war die getroffene Perso-nalentscheidung unumgänglich."
In den vergangenen Tagen wurde ebenso öffentlich diskutiert, dass mit diesem Führungswechsel ein Einstieg in den Verlust der Eigenständigkeit der Kerckhoff-Klinik geschaffen und mittelfristig eine Übernahme durch den privaten Rhön-Konzern vorbereitet werden sollte.
Dazu Dr. Arnold: „Die Hessische Landesregierung bekennt sich klar und eindeutig zur Trägervielfalt in der Gesundheitsversorgung. Die Kerckhoff-Klinik stellt ein Beispiel dafür dar, dass auch Häuser in öffentlicher oder freigemeinnütziger Trägerschaft erfolgreich wirtschaften können. Es ist der politische Wille, an solchen Erfolgsmodellen nicht zu rütteln. Die Eigenständigkeit der Kerckhoff-Klinik bleibt auch in Zukunft unangetastet. Dies werden wir mit der weiteren Entwicklung der Klinik auch unter Beweis stellen.“
Dr. Arnold und Prof. von Eiff sind sich dabei aber einig, dass sich ein Haus wie die Kerckhoff-Klinik weder aus ökonomischen noch aus Qualitätsgründen eine Geschäftspolitik der trägerspezifischen Abgrenzung leisten könne.
„High-Tech-Medizin findet heute an verschiedenen Orten statt – unabhängig von der Trägerschaft. Diese gilt es ausschließlich im Interesse der Patienten mit intelligenten Konzepten zu vernetzen. Denn alle Kliniken, die im Bereich der ambulanten, stationären oder rehabilitativen Versorgung tätig sind, haben einen öffentlichen Versorgungsauftrag. Es kann daher heute nicht mehr nur um die Frage des größten Unternehmenserfolges, sondern muss um die Frage der „Best Practice“ gehen.
Der Wettbewerb im Gesundheitswesen ist kein rein ökonomischer sondern vor allem ein qualitätsorientierter“, führt Prof. von Eiff dazu aus. Auch mit der Besetzung des Aufsichtsrates komme dies zum Ausdruck: „Erstmals sind in diesem Gremium nun öffentlich rechtliche, frei gemeinnützige und private Krankenhausträger in der Region repräsentiert. Dies stärkt die kommunale Loyalität“, so Dr. Arnold.
„Denn in den Aufsichtsrat sind nunmehr sowohl Herr Weber von der Agaplesion-Gruppe als auch Herr Potinius vom Gesundheitszentrum Wetterau neu gewählt worden.
„Natürlich bedauern wir das Ausscheiden eines so herausragenden Thoraxchirurgen, wie Herrn Dr. Schirren. Aber seine Rückkehr nach Wiesbaden ist eine persönliche Entscheidung, die wir zu respektieren haben“, kommentiert der neue Ärztliche Geschäftsführer, Prof. Hamm, und lässt dabei keinen Zweifel daran, dass diese Personalie keinen Einfluss auf die Planungen zum Ausbau der Kerckhoff-Klinik als Lungen- und Thoraxzentrum haben wird: „Das Gesamtkonzept eines Lungenzentrums an der Kerckhoff-Klinik ruht nicht alleine auf der Person von Herrn Dr. Schirren, der mit dem onkologisch-operativen Bereich nur einen Teil des gesamten geplanten thoraxchirurgischen Spektrums abdeckt.“
Für ein Thoraxzentrum der Dimension, wie es an der Kerckhoff-Klinik geplant ist, seien die weiteren Kompetenzen der Lungentransplantation, der lungengefäßchirurgischen Versorgung und der minimalinvasiven Lungenchirurgie erforderlich. „Es war von Anfang an Teil der Planung, diese Bereiche sukzessive zu ergänzen, konkrete Personalverhandlungen hierzu stehen kurz vor dem Abschluss.“ Schließlich stelle auch die enge Anbindung der Klinik an das Max Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung eine ideale Voraussetzung für die Entwicklung der Klinik zum Lungenzentrum dar.
Vor diesem Hintergrund habe die Kerckhoff-Klinik soeben mit den Kostenträgern ein thoraxchirurgisches Budget vereinbart, das ausdrücklich nicht an die Person von Herrn Dr. Schirren, sondern an das Gesamtkonzept gebunden sei, erläutert der neue Kaufmännische Geschäftsführer, Ulrich Jung.
Zur Versorgung onkologischer Patienten verfügt die Kerckhoff-Klinik zudem über 41 thoraxchirurgische Betten. „Damit hat die Kerckhoff-Klinik optimale Voraussetzungen, ihr thoraxchirurgisches Gesamtkonzept umzusetzen“, erläutert Jung und ergänzt: „Mit Fertigstellung des geplanten Neubaus wird hier eines der modernsten und leis-tungsfähigsten Lungen- und Thoraxzentrum entstehen, das die Region stärkt und überregional hochgradig wettbewerbsfähig ist.“
Zur Nachbesetzung der nun vakant gewordenen onkologisch-chirurgischen Position äußern sich beide Geschäftsführer optimistisch: „Das Gesamtkonzept und die Anbindung der Klinik an das Max Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung stellt einen hohen Attraktivitätsfaktor für Top-Leute dar. Mit diesen sprechen wir derzeit und sind sehr zuversichtlich, hier schnell, schon im Januar 2009 zu einer Entscheidung zu kommen.“
„Die aktuellen Entwicklungen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass die Kerckhoff-Klinik mehr denn je strukturell und personell hervorragend aufgestellt ist und in den Bereichen Kardiologie, Herzchirurgie und Rheumatologie national und international einen herausragenden Ruf genießt“, kommentiert Prof. Hamm die Ereignisse der vergangenen Wochen.
Mit dem Ausbau der Thoraxchirurgie und der Ergänzung um die Bereiche Lungentransplantation sowie Lungengefäßchirurgie werde dieses Spektrum um einen komplementären Leistungsbereich auf höchstem Qualitätsniveau ergänzt und abgerundet.
Die zweite strategische Säule wird die optimale Einbindung der Klinik in die regionale Versorgungsstruktur sein. „Im Mittelpunkt wird die stärkere Vernetzung mit den Leistungserbringern in der Gesundheitsregion Mittelhessen stehen, um die Versorgung entlang des gesamten Versorgungsprozesses über alle Sektoren hinweg optimal zu organisieren“, so Prof. Hamm weiter und verweist hier klar auf die Partner am Campus und das Gesundheitszentrum Wetterau.
„Wir haben unter den neuen Vorzeichen bereits Gesprächsangebote gemacht und werden gemeinsam überlegen, wie eine Zusammenarbeit künftig optimal organisiert werden kann.“ Aber auch die fachspezifische Kooperation, etwa mit dem Evangelischen Krankenhaus in Giessen und der Lungenfachklinik Elgershausen in Trägerschaft des diakonischen Unternehmensverbundes Agaplesion, sowie die Zusammenarbeit mit Häusern wie den Lahn-Dill-Kliniken, dem Klinikum Offenbach und anderen ist etabliert worden.
„Die Zeit der Insellösungen bei Kooperationen gehört in der Kerckhoff-Klinik der Vergangenheit an.“ Die Versorgung von Patienten aus überregionalen Zuweisungen, wie sie bisher ja bereits aufgrund der hohen Reputation der Klinik stattfinde, werde von einer stärkeren regionalen Zusammenarbeit aber unberührt bleiben.
„Mit der Wahl von Herrn Jung und Herrn Prof. Hamm will die Eigentümerin der Kerckhoff-Klinik GmbH ganz bewusst ein Signal für die konzeptionelle Kontinuität in der Sache setzen“, kommentiert Dr. Arnold die Berufung der neuen Geschäftsführung.
„Nicht das Leistungskonzept der Klinik, sondern die Geschäftspolitik der Führung hat hier auf dem Prüfstand gestanden.
“Ulrich Jung ist seit 21 Jahren an der Kerckhoff-Klinik tätig und gilt als ausgewiesener Kenner der Klinikstrukturen und interne Integrationsfigur. Er hat über viele Jahre umfangreiche Erfahrung als Mitglied der Geschäftsleitung und Geschäftsführer verschiedener Gesellschaften der Klinik gesammelt.
Mit der Integration der Rheumaklinik, der Leitung des DRG-Arbeitskreises, der Restrukturierung der Intensivversorgung und der Optimierung des Schnittstellenmanagements zwischen ärztlichem und nichtärztlichem Dienst hat er weit reichende Innovationen eingeführt, die heute bundesweit als Pilotlösungen gelten.
Mit Prof. Hamm ist die Ärztliche Geschäftsführung in der aktuellen Situation mit einer erfahrenen Führungspersönlichkeit von höchster nationaler und internationaler Reputation besetzt. Er hat die Klinik bereits über mehrere Jahre in dieser Position geführt und gestaltet.
„Eigentümerin und Aufsichtsgremien sind überzeugt, das dieses Führungsteam die richtigen Weichen für den Erfolgskurs der Kerckhoff-Klinik mit ihrer strategischen Neuausrichtung stellen wird“, so Dr. Arnold.
Hinsichtlich der Perspektive als Ärztlicher Geschäftsführer sieht sich Prof. Hamm jedoch eher als „Manager des Wandels“: „Jetzt ist es erst einmal wichtig, die richtigen Entscheidungen zu treffen und zu implementieren. Wenn diese Zeit des Wandels abgeschlossen ist, wird meine Priorität sicherlich wieder auf der Patientenversorgung liegen.“ Dass eine dauerhafte Besetzung der Position des Ärztlichen Direktors aus dem bestehenden Kollegium der Kerckhoff-Klinik erfolgen werde, daran lässt Dr. Arnold abschließend keinen Zweifel.
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