[Stand Juli 2011]
Viele Menschen leiden an Herzrhythmusstörungen. Die meisten dieser Störungen sind nicht lebensbedrohlich. Trotzdem können sie die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigen, wenn sie zum Beispiel Ängste oder Depressionen auslösen. Die erste Frage, die Ihr behandelnder Arzt klären muss, lautet: Was für eine Rhythmusstörung liegt vor?
Steht die Diagnose fest, entscheiden Sie gemeinsam mit dem behandelnden Arzt, ob eine medizinische Behandlung erforderlich ist und welche Therapieform in Ihrem Fall die größte Aussicht auf Heilung bietet.
Manchmal treten Herzrhythmusstörungen als Spitze des Eisberges einer ernsthaften Herzerkrankung auf. In diesem Fall müssen Spezialuntersuchungen durchgeführt werden. Ihr behandelnder Arzt wird diese Fragen nach sorgfältigen Untersuchungen beantworten können. Sollten besondere Schwierigkeiten auftreten, sind wir als Spezialisten für Herzrhythmusstörungen immer gern bereit, gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt Lösungen zu finden.
Nur selten tritt die Rhythmusstörung bei einem Arztbesuch auf. Viele Patienten haben deshalb nach einer gewissen Zeit Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden, weil sie ihre Rhythmusstörung nicht belegen können. Viele Betroffene haben auch Probleme, ihre Rhythmusstörungen zu beschreiben.
Mit der folgenden Darstellung wollen wir Ihnen helfen, Ihre Eigenbeobachtung zu schärfen, damit Sie Ihre Rhythmusstörung besser beschreiben können. So vorbereitet, werden Sie beim Arztbesuch keine Angaben vergessen, die wichtig sein können. Aber Achtung: Die Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll nicht zu unsicheren Laienselbstdiagnosen verleiten. Sie ist auch kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt.
Das menschliche Herz schlägt in Ruhe ca. 60 mal pro Minute. In Abhängigkeit vom Ausmaß einer körperlichen oder seelischen Belastung kann die Herzschlagfrequenz auf 160 – 200 Schläge pro Minute ansteigen. Dabei bleibt Ihr Puls, den Sie an der Innenseite Ihres Handgelenkes daumenseitig tasten können, regelmäßig, d.h. der Abstand zwischen mehreren Herzschlägen ist nahezu gleich. Unter körperlicher Belastung steigt die Herzfrequenz allmählich und nicht sprunghaft an. Genauso fällt sie langsam wieder ab und nicht plötzlich.
Junge und sportlich trainierte Menschen haben häufig in Ruhe einen langsamen Puls mit einer Herzfrequenz von nur bis zu 40 Schlägen pro Minute. Fühlt sich der Betreffende dabei wohl, ist dieser langsame Puls nur Ausdruck seines gut trainierten Herzens. Die folgende Strichabfolge gibt den normalen Herzrhythmus wieder, wie Sie ihn an Ihrem Handgelenk als Puls tasten können. Jeder Strich entspricht einem tastbaren Pulsschlag. Alle schwarzen Striche stellen normale Herzschläge dar. Alle roten Striche gehören zur Rhythmusstörung.


Normaler Ruhepuls:
Normaler
Frequenzanstieg bei Belastung:
Normaler
Frequenzabfall bei Belastung:

Schnelle Herzrhythmusstörungen:
Überschreitet die Herzfrequenz 100 Schläge pro Minute, sprechen die Ärzte von einer Tachykardie. Diese ist unter Belastung völlig normal, da das Herz schneller schlagen muss, um den Körper mit mehr Blut und damit mehr Sauerstoff zu versorgen.
Tritt die Tachykardie unter Ruhebedingungen auf, muss die ärztliche Untersuchung klären, ob Sie für den Patienten bedrohlich sein kann oder nicht. Im Folgenden stellen wir Ihnen die häufigen Formen dieser Rhythmusstörung vor. Wenn Sie gelernt haben, Ihren Puls am Handgelenk sicher zu tasten, können Sie die Art des Herzrasens bestimmen, an der Sie möglicherweise leiden.
Herzrasen Typ 1:

Wie aus der Grafik ersichtlich, beginnt und endet das Herzrasen (rote Striche) plötzlich. Beginn und Ende sind mit dem Ein- und Ausschalten einer elektrischen Glühbirne zu vergleichen. Das Herzrasen selbst kann Sekunden, Minuten oder sogar Stunden anhalten.
Die getastete Pulsfrequenz liegt dabei häufig zwischen 160 – 220 Schlägen pro Minute. Seltener liegt Sie um 140 Schläge pro Minute.
Herzrasen Typ 2:

Wie aus der Grafik ersichtlich, ist die Schlagabfolge (rote Striche) regelmäßig und anhaltend zu hoch: im Regelfall mit 110 – 130 Schlägen pro Minute. Dies Form des Herzrasens hält häufig Tage bis Wochen, manchmal Monate an. Oft findet man bei mäßiger körperlicher Belastung und in Ruhe die gleiche erhöhte Herzfrequenz.
Herzrasen Typ 3:

Bei dieser Form des Herzrasens fühlen die Patienten deutlich den Beginn, jedoch steigt die Pulsfrequenz während der ersten Schläge langsam an (rote Striche). Auch am Ende des Anfalls fällt die Frequenz langsam während der letzten Schläge ab. Anfang und Ende sind also nicht plötzlich. Die Anfälle dauern Minuten bis Stunden.
Unregelmäßiges Herzrasen Typ 4:

Auch bei dieser Form des Herzrasens fühlen die Patienten deutlich den Beginn, jedoch ist der getastete Puls unregelmäßig. Die Frequenz ist häufig höher als 90 Schläge pro Minute (rote Striche). Die Anfälle dauern Minuten bis Stunden. Manchmal bleibt der Puls auch dauerhaft unregelmäßig. Die Ärzte sprechen in diesem Fall von einer Tachyarhythmie. Warum?
Die Herzfrequenz liegt häufig über 100 Schlägen pro Minute. Zusätzlich ist der Puls nicht mehr regelmäßig, sondern unregelmäßig, also arrhythmisch.
Störung der Regelmäßigkeit ohne Herzrasen (Herzstolpern):

Der Patient berichtet über Aussetzer oder Stolpern. Meistens empfindet er die Pause zwischen dem Extraschlag und dem nächsten normalen Schlag beängstigend. Der erste normale Schlag kann wie ein Paukenschlag oder stark pochend im Hals empfunden werden. Diese Rhythmusstörung ist die häufigste und bei ansonsten Gesunden harmlos und bedarf nur selten einer besonderen Behandlung. Die Ärzte sprechen hier von einer Extrasystolie. Die Pumpaktion wird als Systole bezeichnet. Der Herzschlag ist zusätzlich zu den normalen Herzschlägen also extra (Extrasystole).
Jetzt sind Sie dran: Was ist das?

Sicher erkennen Sie es inzwischen mit Leichtigkeit. Der Puls ist während der Rhythmusstörung (rote Striche) unregelmäßig, also arrhythmisch, die Herzfrequenz liegt jedoch unter 100 Schlägen pro Minute. Der Puls ist also arrhythmisch, aber nicht tachyarrhythmisch.
Langsame Herzrhythmusstörungen:
Ist der Puls unter einer Herzfrequenz von 60 Schlägen, liegt ein langsamer Pulsschlag vor. Die Ärzte sprechen von einer Bradykardie. Wie bereits erwähnt, ein Ruhepuls von 40 Schlägen pro Minute kann bei einem jungen oder sportlich gut trainierten Menschen normal sein, wenn er ansonsten gesund ist und sich wohl fühlt.
Pausen:

Zwischen den normalen Herzschlägen (schwarze Striche) tritt eine sekundenlange Pause auf (roter Balken). Insbesondere wenn solche Pausen von Schwindel, dem Gefühl einer nahenden Ohnmacht (Präsynkope) oder gar einer Ohnmacht begleitet werden (Synkope), sollte der Patient unmittelbar einen Arzt aufsuchen.
Fehlender oder unzureichender Anstieg der Herzfrequenz unter Belastung:
Bei einem gesunden Herzen steigt die Herzfrequenz bei starker körperlicher Belastung auf mehr als 100 Schläge/Minute an. Steigt sie nur noch gering oder nicht mehr an, muss der Patient wegen Erschöpfung und Luftnot frühzeitig innehalten und ist in seiner Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigt. Häufiger liegt bei diesen Patienten der Puls in Ruhe unter 50 Schlägen pro Minute.
Weitere wichtige Angaben für den Arzt:
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